TABOR SOCIETY e.V. HEIDELBERG

Deutsche Gesellschaft zur Förderung orthodoxer Kirchenschulen in Äthiopien

Tabor Society

Geschichte der Tabor Society – Zielsetzung – Aufbau moderner Kirchenschulen

Die Tabor Society wurde 1975 von dem Theologen und Konfessionskundler Prof. Friedrich Heyer zusammen mit Heidelberger Studenten in Heidelberg gegründet.

Nach mehreren Äthiopienreisen zur Feldforschung hatte Prof. Heyer den Wunsch, dem Land und der äthiopisch-orthodoxen Kirche auch praktisch zu helfen und zwar durch Verbesserung der Bildung. Eine Analyse der äthiopischen Schulsituation durch einen Kreis äthiopischer und deutscher Pädagogen ergab, dass die staatlichen Schulen zu theoretisch ausgerichtet waren und kaum religiöses Orientierungswissen vermittelten und dass die Kirchenschulen keine modernen Kulturtechniken lehrten und nicht für Berufe außerhalb der Kirche qualifizierten. Berufliche, handwerkliche Ausbildung fehlte in beiden Schularten völlig.

Eine Gruppe von deutschen und äthiopischen Fachleuten entwickelte daraufhin ein Konzept für moderne, integrierte orthodoxe Kirchenschulen, bei dem westliche Schulbildung etwa auf Realschulniveau mit traditioneller Kirchenbildung verbunden werden sollte. Diesem Konzept entsprechend wurden in der Folgezeit drei moderne orthodoxe Kirchenschulen gegründet: 1971 in Debre Tabor, 1973 in Dabat und 1975 in Debre Marcos.

Es gelang Prof. Heyer ' Brot für die Welt' für die Übernahme der Investitionskosten und der Lehrergehälter für einen Zeitraum von sechs Jahren und die ' Kindernothilfe' für die Übernahme der Betriebskosten des Internats zu gewinnen. Niemand aber wollte für die bescheidenen Gehälter der traditionellen Kirchenlehrer aufkommen.

In dieser Situation gründete Prof. Heyer die Tabor Society, die sich verpflichtete, jährlich 12.000 DM aus Spenden und Kollekten für die Gehälter der traditionellen Kirchenlehrer aufzubringen. Langfristig sollten diese Schulen auch durch die Überschüsse von Erträgen aus Baumwollplantagen in Metemma an der sudanesischen Grenze finanziert werden, die Kaiser Haile Selassie für diesen Zweck gestiftet hatte. Durch die Revolution von 1974 wurden diese Stiftungen hinfällig. ' Brot für die Welt' wollte seine Zahlungen über die Anschubphase hinaus nicht verlängern. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche konnte und wollte in diesen chaotischen Jahren von Revolution und Bürgerkrieg die Trägerschaft für die drei Schulen nicht übernehmen. So wurden diese drei Kirchenschulen in drei große, von der 'Kindernothilfe' durch Patenschaften finanzierte Kinderheime umgewandelt.

Die modernen Kirchenschulen nahmen keine Kinder auf, sondern nur Jugendliche, die schon ein Basiswissen in den Kirchenwissenschaften hatten. In den kurzen sechs Jahren ihres Bestehens wurden die modernen Kirchenschulen so zu dem Tor für hunderte von Jugendlichen, um Anschluss an moderne Bildung zu finden. Unter den ehemaligen Absolventen dieser Kirchenschulen finden sich Ärzte, Rechtsanwälte, Verwaltungsbeamte und Universitätsdozenten.

Auch wenn die Initiative zur Modernisierung der Kirchenschulen vorerst gescheitert ist, scheint die Vision der Integration von traditioneller und moderner Bildung und Handwerk für Äthiopien immer noch aktuell zu sein und das damals entwickelte Konzept ist es wert, wieder aufgegriffen zu werden.

Nach dem Ende des Kaiserreiches – Weiterleben der traditionellen Kirchenschulen

Infolge der Revolution von 1974 hatten auch die Kirchen und Klöster der äthiopisch-orthodoxen Kirche ihr Land und ihre Einnahmen verloren. Die Lehrer und Schüler der traditionellen Kirchenschulen hungerten. Es bestand die Gefahr, dass die Lehrer den Unterricht und die Schüler das Lernen aus Not aufgeben würden. Damit aber wäre die Weitergabe des christlichen Glaubens in äthiopisch-orthodoxer Tradition abgebrochen worden und wertvolles altes, überwiegend mündlich überliefertes Kulturgut verloren gegangen.

So beschloss die Tabor Society anstelle der modernen Kirchenschulen fünf ausgewählte traditionelle kirchliche (Hoch)schulen in der früheren Provinz Begemder, wo es bis heute die meisten Kirchenschulen gibt, zu unterstützen, nämlich Bethlehem, Zuramba, Mekane Yesus, Mahedere Mariam und Medhane Alem in Gondar. Seit 1976 erhalten in diesen Schulen die Lehrer kleine Stipendien und die Schüler Ministipendien. Lehrer und Schüler bleiben trotz Unterstützung durch die Tabor Society arm, aber sie können überleben.Weil jeder Lehrer und jeder Schüler den Empfang seines Stipendiums abzeichnet, kann anhand dieser Listen die Verwendung jedes einzelnen Ethiopian Birr nachgewiesen werden.

Um nicht einseitig nur Jungen in den orthodoxen Kirchenschulen zu unterstützen, fördert die Tabor Society auch die Schule des Nonnenklosters Sebeta bei Addis Abeba.Von diesem Reformkloster sind in den letzten Jahrzehnten wichtige Impulse für den Beitrag der äthiopisch-orthodoxen Kirche zu Bildung, Entwicklung und Frauenförderung ausgegangen.

Über die unmittelbare 'Nothilfe' hinaus hat die Tabor Society in den letzten 20 Jahren immer auch kleinere Entwicklungsprojekte angeregt und gefördert, damit die Schulen zu eigenen Einnahmen kommen und auch zur Entwicklung des Landes beitragen. Auf Vorschlag der einzelnen Schulen hat die Tabor Society inzwischen zwei Bäckereien, zwei Imkereien und eine Ölmühle finanziert. Die Verwirklichung fast aller Projekte war mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Außerdem gewährt die Tabor Society Zuschüsse für die Renovierung von Gebäuden. In Äthiopien kann man mit geringen finanziellen Mitteln noch etwas bewirken. Die jahrzehntelange verlässliche Hilfe der Tabor Society wird von den Lehrern und Schülern der Kirchenschulen sowie den orthodoxen Diözesen in Debre Tabor und Gondar sehr geschätzt, die finanziellen Möglichkeiten der Tabor Society aber werden oft überschätzt.