TABOR SOCIETY e.V. HEIDELBERG

Deutsche Gesellschaft zur Förderung orthodoxer Kirchenschulen in Äthiopien

Nachruf auf Frau Dorothea Georgieff

 geb. Rummel 

Am 11.05.2014 verstarb in Mannheim im Alter von 88 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit Frau Dorothea Georgieff. 

Mit ihrer Familie und ihren Freunden trauern auch die Mitglieder der Tabor Society Heidelberg um ihre hochverdiente Schatzmeisterin. Wir wollen ihrer in großer Dankbarkeit gedenken. 

Frau Dorothea Rummel wurde am 3.4.1926 in Heidelberg geboren und ist in der Heidelberger Altstadt aufgewachsen. Schon als Schülerin nahm sie Gesangsunterricht, um später einmal Opernsängerin zu werden. Schon als Gesangsstudentin lernte sie den bulgarischen Medizinstudenten Georgi Georgieff kennen und lieben. Nach Beendigung seines Medizinstudiums sollte Dr. Georgieff nach Bulgarien zurückkehren, kam bei Kriegsende aber nur bis Wien, weil es nach Bulgarien keine Züge mehr gab, und kehrte nach Heidelberg zurück. So konnten beide 1945 heiraten. 

Dr. Georgieff wollte nicht in das kommunistische Bulgarien zurück und wurde so zum staatenlosen Ausländer. Durch ihre Eheschließung mit einem staatenlosen Ausländer verlor auch Frau Georgieff ihre deutsche Staatsangehörigkeit. Als staatenloser Ausländer konnte sich Dr. Georgieff nicht in Deutschland als Arzt niederlassen. Deshalb suchte er eine ärztliche Tätigkeit im Ausland. Die kaiserliche Regierung Äthiopiens suchte damals u.a. ausländische Ärzte für die Leitung von Regionalhospitälern. Dr. Georgieff bewarb sich erfolgreich um eine Stelle bei der äthiopischen Regierung. So kam Frau Georgieff mit ihrem Mann 1950 nach Äthiopien. 

Dr. Georgieff leitete als ärztlicher Direktor Krankenhäuser in Jijiga, Debre Berhan und Debre Zeit. Frau Georgieff lebte also jahrelang mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen unter lauter Äthiopiern. Im ständigen Austausch mit vielen Äthiopiern wuchs ihr Verständnis für das Verhalten und die Kultur der Äthiopier und sie begann, das äthiopische Volk zu lieben. Zugleich zeigten sich schon damals ihre Selbständigkeit,Tatkraft und Organisationstalent.  

1960 übernahm Dr. Georgieff die Leitung des Seuchenbekämpfungsprogramms der äthiopischen Regierung und die Familie zog nach Addis Abeba um. Da die beiden Söhne schon herangewachsen waren, begann Frau Georgieff 1963, als Sekretärin im Goethe-Institut zu arbeiten. Sie bildete sich damals zur perfekten Sekretärin aus und ihre Verantwortung im Goethe- Institut ging weit über den normalen Arbeitsbereich einer Sekretärin hinaus. 

Nach 15 Jahren Aufenthalt verließ das Ehepaar Georgieff Äthiopien. 1965 übernahm Dr. Georgieff eine neue Aufgabe im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe in Afrika: Aufbau und Leitung von Krankenhäusern in Somalia, Mali, Senegal, Burkina Faso und Kongo. Frau Georgieff begleitete ihren Mann nur in den Senegal und lebte ansonsten in Plankstadt. In dieser Zeit entstand auch die Verbindung von Frau Georgieff mit Professor Heyer. 

1972 kehrte Dr. Georgieff endgültig nach Deutschland zurück. Da er inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hatte, konnte er sich 1972 als Arzt für Allgemeinmedizin in Oftersheim niederlassen. Weil sich Dr. Georgieff rasch den Ruf eines ausgezeichneten Arztes erwarb, wuchs diese Praxis sehr schnell. In dieser Praxis haben Herr und Frau Georgieff mit aller Kraft 15 Jahre lang zum Wohl der Menschen gearbeitet. 

Nach dem Eintritt in den Ruhestand 1987 ist Dr. Georgieff bald erkrankt und wurde von seiner Frau bis zu seinem Tod 1996 hingebungsvoll gepflegt.

Nach dem Tod ihres Mannes war Frau Georgieff von der Pflege ihres Mannes erschöpft und trauerte um den geliebten Mann. Trost und Hoffnung in dieser schweren Zeit waren für sie ihre drei Enkelkinder. Frau Georgieff suchte neue Aufgaben.  

Durch die Vermittlung von Professor Heyer kam Frau Georgieff 1996 zur Tabor Society, die eine neue Schatzmeisterin suchte. Sehr bald war Frau Georgieff viel mehr als die Schatzmeisterin der Tabor Society: Sie verwaltete sorgsam Gelder und Konten, als Schriftführerin erledigte sie einen großen Teil der Korrespondenz, sie schrieb Einladungen und Protokolle, organisierte vieles im Hintergrund und hielt auf vielfältige Weise Kontakt zu den Mitgliedern.

Durch ihren unermüdlichen Einsatz ist Frau Georgieff zur guten Seele der Tabor Society geworden. Sie hatte eine neue Aufgabe gefunden, die sie erfüllte. Besonders beglückend war es für sie, durch die Arbeit in der Tabor Society alte, längst abgerissene Kontakte zu Äthiopien wieder erneuern zu können. Noch in hohem Alter hat sie es gewagt, Äthiopien nach 30 Jahren Abwesenheit zweimal zu besuchen. 

Ich habe immer die Bereitschaft und die Fähigkeit von Frau Georgieff bewundert, auch im hohen Alter Neues zu lernen: sich auf neue Situationen umzustellen, auf fremde Menschen zuzugehen oder mit Hilfe ihres Enkels neue Anwendungen der EDV zu lernen und auszuprobieren. 

Wenn ich das lange, reiche und erfüllte Leben von Frau Georgieff bedenke, dann fällt mir auf: In ihrem Leben haben Schwierigkeiten und Herausforderungen nicht gefehlt. Aber mit der Hilfe Gottes und großer Beharrlichkeit hat es Frau Georgieff immer wieder verstanden, aus einer Herausforderung eine Chance zu weiterer Bewährung und Reifung der Person zu machen. Wenn sie uns darin zum Vorbild geworden ist, dann sollte beim Abschied die Dankbarkeit für Ihre Lebensleistung größer sein als der Schmerz über ihren Verlust.   

Jan Gerd Beinke